Magª Heike Podek in der Fratz & Co 02/2017 zum Thema: „Größer, schneller, teuerer – wie materialistisch sind unsere Kinder?”

Die 5 jährige Lea will wöchentlich ein neues Spielzeug. Immer größer, schöner und bunter soll es sein. Ihr „altes“ Spielzeug schaut sie schon lange nicht mehr an und es liegt in der Ecke.

Der 10 jährige Tom will ein iPhone. Zu teuer sagen die Eltern, es gibt günstigere Handys. Er argumentiert, dass alle Freunde eines haben, überredet die Oma zu einem Zuschuss und diskutiert wochenlang herum. Irgendwann geben seine Eltern nach.

Materielle Dinge spielen eine immer größere Rolle in unserer Welt. Sich etwas kaufen können und genügend Geld für Statussymbole wie Markenkleidung, ein großes Auto oder ein eigenes Haus zu haben ist für Viele der Inbegriff für Erfolg und Anerkennung.

Aber nicht nur in der Erwachsenenwelt wird der Zwang mitzuhalten immer größer, sondern auch der Alltag von Kindern wird zunehmend von Konsum beeinflusst. Produkte werden z.B.  an Supermarktkassen auf Augenhöhe der Kinder platziert. Und auch die Werbung aus Fernsehen und Computer ist inzwischen  bis in die hinterste Ecke der Kinderzimmer vorgedrungen. Es wird geschätzt, dass Kinder zwischen 6 und 13 Jahren durchschnittlich 900 Werbespots im Monat sehen. So ist es nicht verwunderlich, dass auch bei ihnen immer neue Bedürfnisse geweckt, Konsumansprüche erhöht und Illusionen erzeugt werden.

Ob Eiskönigin-Puppe, Spiderman Kostüm oder die neueste Spielkonsole – die Spielzeugindustrie boomt. Und da die Dinge schnell langweilig werden, wollen Kinder immer mehr und immer etwas Neues, sei es die aktuelle CD das neue Video, Markenkleidung, ein eigenes Handy oder einen Computer.

Teilweise führt dies vor allem bei Jugendlichen soweit, dass sich bereits eine zwanghafte Orientierung an Marken und Produkten entwickelt, die natürlich auch das Kaufverhalten der Eltern beeinflusst. Bereits im Alter von zwei bis vier Jahren lernen Kinder Markennamen kennen und wissen um deren Bedeutung. Laut diversen Studien haben sich Kinder mit sechs Jahren bereits 50 Prozent ihrer Konsumkompetenzen angeeignet; mit 16 sind es 100 Prozent – dann können sie als mündige Konsumenten gelten.

Wann sollte ich als Elternteil aufpassen? Wann ist meinem Kind Materielles zu wichtig?

Anhand der folgenden Kriterien können sie erkennen, dass ihr Kind Gefahr läuft, sich zu sehr an Materiellem zu orientieren und die wichtigen Dinge im Leben außer Acht lässt.

  • Ihrem Kind sind Dinge wichtiger als Menschen und Interaktion, d.h. es spielt lieber allein mit seinem Spielzeug, der Spielekonsole oder dem Computer, anstatt die Aktivität mit Freunden oder Ihnen zu genießen.
  • Das Interesse an einem Spielzeug lässt schnell nach und ihr Kind braucht ständig etwas Neues, um sich ausreichend beschäftigen zu können und  kann sich nur schwer konzentrieren.
  • Der Wert von Spielzeug und Objekten wird nicht geschätzt, d.h. ihr Kind achtet nicht auf seine Sachen, lässt sie herumliegen oder zerstört sie sogar.
  • Ihr Kind erwartet für kleine Extras, wie z.B. Aufräumen oder Mithilfe im Haushalt eine Belohnung in Form von Geld oder einem Geschenk.
  • Ihr Kind hat einen regelrechten Markenwahn und weigert sich strikt, andere Dinge anzuziehen und  zu benutzen. Darüberhinaus werden alle No-Name Produkte massiv abgewertet.

Diese Kinder haben den Eindruck, materielle Dinge seien das Wichtigste im Leben. Ihre Eltern erleben, dass ihre einzige Sorge darin besteht, auf das Wochenende zu warten, weil es dann wieder Taschengeld gibt. Es geht also mehr oder weniger maßgeblich um die Befriedigung des Ichs durch materielle Werte.

Was sie während der Woche tun, wie ihre Beziehung zu anderen Menschen ist und was sie zum Leben in der Familie und im Freundeskreis beitragen (könnten), das interessiert sie nicht.

Und auch unsere Gesellschaft scheint kaum mehr Wert darauf zu legen, wie man sich auf andere Art und Weise innere Zufriedenheit verschaffen und glücklich sein kann.

Unsere Konsumwirtschaft beruht letztlich auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Soziale Bedürfnisse nach Liebe, Zuneigung, Freundschaft, Anerkennung, Selbstverwirklichung und Entfaltung werden durch den Besitz von Statussymbolen erlangt.

Problematisch an der Sache ist, dass uns auf Dauer diese Art des Konsumverhaltens nicht zufriedenstellt, sondern das Gegenteil ist der Fall: Je mehr wir kaufen, umso kürzer hält die erwartete Befriedigung an. Wahre Identität und Beziehung bleiben auf der Strecke.

Was also tun? Ist der Verzicht von Konsum eine Lösung?

Auch wenn ein Zuviel sich schädlich auf die Entwicklung unserer Kinder ausübt, bedeutet das nicht, dass im Gegenzug völliger Verzicht die Lösung darstellt. Viele materielle Dinge erleichtern unser Leben, geben uns Sicherheit oder machen einfach Spaß – und das ist auch so in Ordnung. Allerdings ist es ratsam zwischendurch innezuhalten und abzuwägen, inwiefern eine Beschränkung sinnvoll sein kann – auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Wir können immer wieder hinterfragen, warum uns bestimmte materielle Dinge so wichtig sind, dass wir glauben, sie kaufen zu müssen und ob wir sie tatsächlich brauchen. Solch ein bewusster Konsum macht in der Regel auch zufrieden, weil wir uns wieder über Dinge freuen oder auch bereit sind eine Zeit drauf zu warten.

Mit den folgenden Tipps kann ich als Elternteil meinem Kind einen bewussten Umgang mit materiellen Dingen und anderen für das Leben relevanten Werten vermitteln:

Spielzeug/ Materielles ist nur Mittel zur Interaktion:

Anstatt Spielzeug ausschließlich dazu zu benutzen ihr Kind ruhig zu stellen oder dazu zu motivieren, sich für einige Zeit alleine zu beschäftigen, spielen sie gemeinsam mit ihrem Kind. Zeigen sie ihm wie viel Spaß es macht, gemeinsam Dinge zu tun und in Interaktion zu treten. Auch bei CDs oder Videos ist es möglich gemeinsam zu hören oder zu schauen und sich im Anschluss darüber auszutauschen. Auf diese Weise macht ihr Kind die Erfahrung, dass positive Erlebnisse meistens in Beziehung mit anderen Menschen stattfinden und misst dem Miteinander einen viel höheren Wert bei als Objekten.

Objekte/ Materielles sind kein Ersatz für Zeit, Lob oder schlechtes Gewissen

Viele Eltern, die aufgrund ihrer Arbeitssituation wenig Zeit für ihre Kinder haben, versuchen ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen, indem sie den Kindern ein neues Spielzeug kaufen. Das kann dazu führen, dass Kinder sich auch später durch materillen Besitz trösten. Und auch Belohnung durch den Kauf von Geschenken führt in der Regel dazu, dass Kinder lernen, dass sich Erfolg mit materiellem Besitz definieren lässt. Das kann sich im Erwachsenenalter soweit verfestigen, dass sie der Überzeugung sind, dass nur der Kauf von materiellen Dinge sie attraktiv und erfolgreich erscheinen lässt.

Seien sie also lieber die Zeit, die sie für ihr Kind haben ganz bewusst da und geben sie ihm ein authentisches Gegenüber. Wenn sie etwas freut oder sie ein schlechtes Gewissen haben dann sagen sie es mit persönlichen Worten, Mimik und Gestik, so dass ihr Kind spürt, wie wichtig der Austausch und Kontakt ist.

Werte vermitteln

Kinder lernen hauptsächlich durch Nachahmung ihrer Eltern. Entsprechend prägen die eigenen Konsumgewohnheiten das Verhalten der Kinder. Trotzdem kommt es gerade ab ca. Kindergartenalter immer wieder vor, dass ihr Kind einen Wunsch äußert und etwas haben will. Anstatt einfach mit „Ja“ oder „Nein“ gefolgt von langen Erklärungen zu reagieren,  hinterfragen sie diesen Wunsch mit offenem Interesse. Was ist ihrem Kind wirklich wichtig an seinem Wunsch? Warum will es das Spiel/ das Objekt unbedingt haben? Auf diese Weise bringen sie ihr Kind dazu, über die eigene Motivation und die eigenen Werte nachzudenken, so dass es sich nicht von Außen beeinflussen, sondern nachspürt und von Innen führen lässt.

Selbstbewusstsein stärken

Gerade wenn Kinder älter werden, spielen Freunde und Gruppen eine immer größere Rolle in ihrem Leben. Damit steigt oft auch der Druck, dazuzugehören und mithalten zu „müssen“, weil alle Freunde ein bestimmte Marke tragen, ein bestimmtes Handy haben etc..

Stärken sie von Anfang an bei ihrem Kind sein Selbstbewusstsein indem sie ihm vermitteln, „so wie du bist, bist du richtig“  und fördern sie die Entwicklung eines eigenen Standpunktes. Diesen kann ihr Kind dann auch im Freundeskreis vertreten und hat den Mut Nein zu sagen. Toleranz im Sinne von „ich unterscheide mich von anderen und andere unterscheiden sich von mir“ kann dabei sehr hilfreich sein.

Gespräche

Kinder können Werbesprüche oft auswendig und übernehmen diese oft in ihren Sprachgebrauch. Sprechen sie mit ihren Kindern über diese Texte und hinterfragen sie sie: Was bedeuten sie eigentlich wirklich? Was will uns der Hersteller damit sagen und was ist eigentlich dran?

Vermeiden sie es ihr Kind zu belehren, indem sie auf Klimadebatten, hungernde Kinder oder Flüchtlingsschicksale hinweisen, weil diese oft viel zu weit weg sind, als das ihr Kind sie begreifen und in Zusammenhang mit seinem Wunsch stellen könnte. Beantworten sie stattdessen lieber persönlich die Fragen ihres Kindes und erklären sie ihm, warum sie z.B. ein bestimmtes Produkt nicht kaufen wollen.

Ich hoffe, Dir hat mein Artikel gefallen! Besonders ans Herz legen möchte ich Dir meine Artikel zu den Themen Wut und Aggression, Konflikte und Schulprobleme.

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Deine Heike

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