Magª Heike Podek in der Fratz & Co 03/2017 zum Thema: „Immunsystem für die Seele – Resilienz”

Es gibt Kinder, die unter extrem schlechten Bedingungen, wie zum Beispiel Armut, Krankheit oder sogar Gewalterfahrungen aufwachsen und sich entgegen aller Erwartungen erstaunlich positiv entwickeln.

Während die einen schon einem einfachen Streit schnell hilflos gegenüberstehen, haut diese Kinder so leicht nichts um. Im Gegenteil: Sie sind sogar in der Lage, kritische Erfahrungen zu meistern, ohne Schaden zu nehmen.

Was macht diese Kinder stark und was gibt ihnen die Kraft, diese Situationen nicht nur zu meistern, sondern oftmals auch gestärkt aus diesen schwierigen Lebensbedingungen hervorzugehen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die sogenannte Resilienzforschung.

Das Wort Resilienz leitet sich vom lateinischen Wort „resilire“ (zurückspringen, abprallen) ab und bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit von einigen Menschen, schwierige Lebens- oder Entwicklungskrisen zu meistern, ohne Schaden zu nehmen. Resilienz funktioniert also ein bisschen so, wie das Immunsystem für die Seele.

Je nachdem, welche Lebenserfahrungen ein Kind macht, bildet sich seine seelische Widerstandskraft schwächer oder stärker aus. Resilienz ist nämlich nicht angeboren, sondern sie entwickelt sich im Zusammenspiel zwischen Kind und einem Erwachsenen und ist somit erlernbar.

Gerade in unserer heutigen Zeit, scheint Resilienz von ganz besonderer Bedeutung zu sein. Das Leben wird immer schneller, Erwartungen sowohl beruflich als auch privat, steigen, in den Zeitungen lesen wir von erhöhter Arbeitslosigkeit, Scheidungsraten und Krankheit.

Auch unsere Kinder sind vielen Anforderungen und mitunter sogar schon Stress ausgesetzt. Bereits im Kindergarten bahnt sich teilweise ein ungesunder Perfektionismus an, der in der Schule mit Druck fortgesetzt wird. Wer dem nicht standhalten kann, leidet spätestens als Erwachsener nicht selten unter Depressionen, Burnout oder einer (psycho-) somatischen Erkrankung.

Umso spannender, dass es Menschen gibt, die sich trotz dieser negativen Umstände nicht unterkriegen lassen, die nicht am Boden liegen bleiben, sondern eher im Gegenteil aus den Erlebnissen und Krisen etwas Positives gewinnen können. Kinder, denen es gelingt, ihren Mut und ihre Lebensfreude zu bewahren und gestärkt aus widrigen Lebensumständen hervorzugehen.

Was aber unterscheidet diese sogenannten „resilienten“ Kinder von anderen Kindern?

Allgemein werden resiliente Kinder als neugierig, vielseitig, interessiert und kontaktfreudig beschrieben. Sie haben ein positives Weltbild, Fantasie und ein ausgeglichenes Temperament.

Die folgenden Fähigkeiten und Kompetenzen aber gelten als signifikant für resiliente Kinder:

Emotionale Intelligenz: Die Kinder können ihre Gefühle korrekt wahrnehmen, benennen, verstehen und sie auch beeinflussten, d.h. sie können wahrnehmen, dass sie sich zum Beispiel in einer Stresssituation ärgern und kann dieses Gefühl so regulieren, dass sie es in der jeweiligen Situation angemessen anbringen.

Empathiefähigkeit und Sozialkompetenz: Resiliente Kinder können auf angemessene Art, Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen und sich auch in diese hineinversetzen. Dadurch erlangen sie eine gute Einschätzung, wie es dem anderen gerade geht und was er an Fähigkeiten mitbringt, so dass sie Verantwortlichkeiten gut einschätzen können.

Positives Selbstkonzept/ Selbstvertrauen: Sie verfügen über eine gute Einschätzung ihrer Fähigkeiten und Stärken und nutzen diese Ressourcen effektiv.

Selbstwirksamkeitsüberzeugung: Resiliente Kinder zeigen ein hohes Maß an Optimismus ohne dabei die Realität aus den Augen zu verlieren. Wenn sie eine Handlung setzen rechnen sie damit, dass diese zum Erfolg führt, können aber vorab auch einschätzen, wenn sie nicht im eigenen Handlungsspielraum liegt.

Kompetenz Probleme zu lösen: Sie können konstruktiv mit Stress umgehen, behaupten sich selbst in Krisen und überlegen sich aktiv Strategien, um vorhandene Probleme zu lösen. Darüberhinaus besitzen sie die Fähigkeit, solche Strategien auch auf andere Situationen zu übertragen. Sollte sie alleine nicht weiter wissen, scheuen sie sich nicht davor, sich Unterstützung zu suchen.

Hervorzuheben ist bei all diesen Punkten, dass es trotz der genannten Fähigkeiten und Kompetenzen keine generelle Resilienz gibt, d.h. ein Kind ist nie in allen genannten Bereichen gleich stark, sondern beherrscht die Fähigkeiten in unterschiedlichem Ausmaß.  

Wenn Resilienz aber nun nicht angeboren, sondern erlernt wird, stellt sich natürlich die Frage, welche Rolle Eltern bei der Erlangung von Resilienz spielen. Was können sie tun, um ihr Kind widerstandsfähiger zu machen und es dabei zu unterstützen, gestärkt durchs Leben zu gehen?

So können sie die Entwicklung von Resilienz bei ihrem Kind unterstützen:

Bindung:

Eine der wichtigsten Rollen bei der Entwicklung von Resilienz übernimmt die Bindung – sie gilt als einer der wichtigsten Schutzfaktoren für die seelische Gesundheit. Wenn zwischen Kind und zumindest einer Bezugsperson eine stabile und emotional positive Bindung besteht, ist das Kind dazu in der Lage, ein sicheres Bindungsmuster zu entwickeln. Dieses beeinflusst die Gesamtentwicklung und die Persönlichkeit. Eine sichere Bindung ist deshalb so wichtig, weil sie das Urvertrauen, das Selbstgefühl, die Fähigkeit mit anderen Menschen sozial kompetent umzugehen, sowie die Welt zu entdecken und ihr dabei mutig und ausgeglichen gegenüber zu treten stärkt.

Bedürfnisorientierter Umgang:

Babys und Kleinkinder brauchen eine feinfühlige erwachsene Bezugsperson, die ihre Signale wahrnehmen, verstehen und prompt darauf reagieren. Auf diese Art und Weise bekommt das Baby das Gefühl, dass seine Eltern es liebevoll und zuverlässig versorgen und das geben können, was es gerade braucht. Die Kinder entwickeln in Folge ein positives inneres Selbstbild, Vertrauen zu anderen Menschen und können sich später gut auf Beziehungen einlassen.

Wertschätzung vermitteln:

Vermitteln sie ihrem Kind Wertschätzung – ganz einfach dadurch, dass sie es Wertschätzung erfahren und erleben lassen. Kinder, die das Gefühl haben, gesehen zu werden, so wie sie sind und denen vermittelt wird, dass sie so wie sie sind richtig sind, lernen dabei zweierlei: Zum einen entwickeln sie einen stabilen und gesunden Selbstwert, fühlen sich sicher und treten selbstbewusst auf. Zum anderen werden sie auch andere Menschen mit der gleichen Wertschätzung behandeln und machen dadurch deutlich mehr positive Beziehungserfahrungen.

Verantwortung übertragen:

Kinder wollen erleben, dass ihnen etwas zugetraut wird, sie wollen Verantwortung übernehmen und etwas zur Gemeinschaft beitragen. Lassen sie also ihr Kind auch zu Hause einen (kleinen) Beitrag leisten, anstatt ihm alles abzunehmen und übertragen sie ihm auf diese Weise Verantwortung. Praktisch geht das am leichtesten, in dem man gemeinsam mit seinem Kind überlegt, welche Aufgabe es gerne übernehmen möchte oder in welchem Bereich es ab jetzt Verantwortung übernehmen mag.

Vorbild sein:

Letztlich können Eltern versuchen und fördern so viel sie wollen, die größte Wirkung erzielen sie immer wieder durch ihre Vorbildfunktion. Kinder lernen am allermeisten durch Rollenbilder, die ihnen vorleben, wie das Leben funktioniert, wie man mit Konflikten umgeht, wie man Krisensituationen im Alltag bewältigt.

Klingt so, als komme gerade Eltern bei der Entwicklung von Resilienz eine riesengroße Verantwortung zu, was natürlich auch zu Sorgen führt, dem nicht gewachsen zu sein oder etwas „falsch“ zu machen.

Bei allen Möglichkeiten aber, die ich als Elternteil habe, mein Kind dabei zu unterstützen, sich zu einem widerstandsfähigen, gesunden und glücklichem Erwachsenen zu entwickeln, sollten wir nicht vergessen, dass auch Eltern immer wieder Fehler machen – aber Fehler von Eltern sind o.k., denn es kommt nicht so sehr auf die Einzelhandlungen an, sondern vielmehr auf die gesamte Atmosphäre in Familie und Beziehungen.

Ich hoffe, Dir hat mein Artikel gefallen! Besonders ans Herz legen möchte ich Dir meine Artikel zu den Themen Wut und Aggression, Konflikte und Schulprobleme.

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Deine Heike