Magª Heike Podek in der Fratz & Co 06/2019 zum Thema: „Die neuen Großeltern”

Meine Oma hieß Maria und ist 94 Jahre alt geworden. Sie war Mittelpunkt der Familie und kochte mit Leidenschaft, hatte immer Zeit und liebte mich bedingungslos. Ich war ihr jüngstes Enkelkind und ihre Liebe und Fürsorge hat mein ganzes Leben geprägt.

Auch heute noch kümmern sich allein in Österreich etwa die Hälfte aller Omas und Opas um ihre Enkelkinder, während Mama und Papa arbeiten gehen. Sie stehen nicht selten auf Abruf bereit, wenn sie gebraucht werden, reisen an, wenn ein Kind krank geworden ist oder der Kindergarten oder die Schule geschlossen sind. Sie kommen am Wochenende, damit die Eltern fortgehen oder mal wieder ausschlafen können.

Und dennoch hat sich etwas verändert zu damals.

Heutzutage stehen Großeltern oftmals noch mitten im Leben, üben teilweise noch ihren Beruf aus und sind damit zeitlich nicht so flexibel. Sie wohnen oft nicht mehr im gleichen Haus, sondern im Nachbarort oder sogar mehrere Kilometer entfernt, vielleicht sogar im Ausland. Und sie sind viel aktiver in ihrer Freizeitgestaltung: sie treiben Sport, haben Hobbys und reisen gerne und viel.

Sie haben also ihre eigenen Bedürfnisse viel mehr im Blick als dies früher der Fall war und müssen entsprechend erst einmal für sich selbst abklären, inwiefern sie sich an der Betreuung ihrer Enkelkinder beteiligen können und wollen.

Warum ist der Kontakt zu Oma und Opa so wichtig?

Omas und Opas spielen eine ganz besondere Rolle im Leben ihrer Enkelkinder. Dadurch, dass sie die Eltern der eigenen Eltern sind, stellen sie eine natürliche und oftmals sehr frühe zusätzliche Bezugsperson für die Enkelkinder dar. Die Kinder lernen, dass es neben ihren Eltern noch andere Menschen gibt, die sie lieben und denen sie vertrauen können. Kinder erleben, dass nicht alle Erwachsenen gleich sind. Oftmals machen gerade Großeltern vieles ganz anders als Mama und Papa und das erweitert das kindlichen Erfahrungsfeld ungemein. Auch von der großelterlichen Ruhe und Geduld, die vielen Eltern im Alltag manchmal abhandenkommt, profitieren die Kinder sehr. So sehen Omas und Opas viele Dinge mit Abstand und mehr Gelassenheit, bei denen sich Eltern und Kinder leicht in die Haare kriegen.

Großeltern lieben ihre Enkel meist ohne Wenn und Aber, schenken den Kleinen uneingeschränkt ihre Aufmerksamkeit und Zeit. Die positiven Gefühle und das liebvolle Umsorgen führen zu einem Gefühl völliger Geborgenheit. Und so werden Großeltern gerade in Konfliktsituationen und/oder Trennung oder Scheidung zu einer stabilen Konstante, indem sie emotionale und soziale Unterstützungsfunktion übernehmen.

Eine ganz besondere Rolle aber kommt den Großeltern auch zu, weil sie Familientraditionen und Geschichten bewahren und am Leben erhalten. Durch das Weitergeben von Geschichten und Routinen tragen sie maßgeblich zum Zusammenhalt und familiärer Geborgenheit bei.

Sind die Großeltern bei den Kleinen zunächst beliebte Spielpartner, werden sie später zu wichtigen Gesprächs- und Diskussionspartnern. Die meisten Jugendlichen, so die Ergebnisse zahlreicher Studien, sehen ihre Großeltern als Menschen an, von denen sie maßgeblich und im positiven Sinne beeinflusst worden sind.

Aber von der Begegnung zwischen Jung und Alt profitieren nicht nur die Kleinen. Auch die Großeltern erleben einen positiven Einfluss ihrer Enkel.

Kinder halten jung und verlängern nachweislich das Leben. Nicht nur, dass Enkelkinder ihre Omas und Opas körperlich fit halten und diese schneller, beweglicher und kraftvoller sind als Altersgenossen, die ohne Kontakt zu Kindern leben. Großeltern sind auch geistig fitter, weil sie den Umgang mit ihren Enkelkindern oftmals als Möglichkeit sehen, etwas Neues dazuzulernen. So zeigen ihnen die Kleinen den Umgang mit dem Smartphone genauso wie den Einstieg in soziale Medien. Sich um die jungen Menschen kümmern zu könne, gibt Omas und Opas oftmals einen wichtigen Sinn in ihrem Leben und ganz nebenbei bringen Kinder einfach eine Menge an Lachen, Leichtigkeit und Fröhlichkeit ins Erwachsenenleben.

Rundum sind, so eine Studie des Max-Planck. Instituts in Berlin, Großeltern, die einen regelmäßigen Kontakt zu ihren Enkelkindern haben, glücklicher und haben eine längere Lebenserwartung als ältere Menschen, die einsam sind.

Konfliktfrei läuft es trotzdem nicht immer

Eltern, die ihre Kinder von den Großeltern betreuen lassen, machen allerdings auch die Erfahrung, dass nicht immer alles reibungslos funktioniert. Erziehungsmethoden unterliegen immer einem Wandel der Zeit, so dass verschiedene Vorstellungen von Alt und Jung aufeinanderprallen können, weil beide andere Ideen davon haben, wie es „richtig“ geht, Kinder zu erziehen. Reagieren Omas und Opas dann anders als von den Eltern erwünscht, kann es zu Konflikten kommen.

Darüber hinaus haben beide Seiten teilweise falsche Erwartungen aneinander:

So gehen Eltern häufig davon aus, dass Großeltern ihre Enkel jederzeit gerne betreuen und immer zur Verfügung stehen. Sie vergessen dabei manchmal, dass diese auch ihr eigenes Leben haben, möglicherweise noch berufstätig sind oder anderweitig eingespannt sind.

Großeltern hingegen erwarten vielleicht ständige Dankbarkeit dafür, dass sie die Enkel betreuen oder glauben, durch die Zeit, die sich mit ihren Enkeln verbringen, das Recht zu haben, ihre Erziehungsvorstellungen auf die Enkel übertragen zu dürfen.

Insgesamt sind Probleme, Missverständnisse und Konflikte zwischen Eltern und Großeltern meist das Ergebnis von zu wenig oder unklarer Kommunikation zwischen den beiden Parteien. Damit also die Kinderbetreuung durch Oma und Opa ohne gröbere Probleme gelingt, braucht es eine gute Abklärung von Wünschen und Bedürfnissen, sowie gegenseitigem Respekt und Wertschätzung.

Tipps für eine konfliktfreie Betreuung durch die Großeltern:

1.) Betreuungszeit und Umfang festlegen

Eltern sollten den Großeltern klar mitteilen, in welchem zeitlichen Ausmaß sie sich Unterstützung in der Betreuung ihrer Kinder wünschen. Dabei sollte auch vorab gleich die Möglichkeit eingeräumt werden, dass es in Ordnung ist, wenn die Großeltern „Nein“ sagen. Denn nur wenn Oma und Opa ihre Enkelkinder mit Freude und Spaß beaufsichtigen kann eine Win- Win -Situation für alle Beteiligten entstehen.

2.) Klärung über Verantwortlichkeit

Eltern und Großeltern sollten darüber sprechen, wer in der Erziehung der Kinder wofür verantwortlich ist. Dabei ist es sinnvoll, dass Eltern ihre Grenzen, z.B. bei Themen wie Ernährung inkl. Naschen, Fernsehkonsum, Schlafen usw. klar äußern. Diese sollten von den Großeltern respektiert und berücksichtigt werden. Darüber hinaus ist es aber auch wirklich wichtig, den Großeltern ein großes Maß an Freiraum zuzugestehen. Großeltern sind bei ihren Enkeln aus der klassischen Erziehungsverantwortung raus und dürfen verwöhnen – das tut beiden gut: den Kindern und Oma und Opa!

3.) Eine liebevolle Basis

Schauen Sie ab und an darüber hinweg, wenn die Großeltern etwas anders machen als Sie es für richtig halten. Die Kinder können das gut auseinanderhalten und schaffen es Unterscheidungen zu treffen. Solange sie die Liebe zu den Kindern in Omas und Opas Augen und Handlungen erkennen, fügen sie ihren Kindern sicher keinen Schaden zu. Und wenn sie doch das Gefühl haben, dass irgendwas für Sie überhaupt nicht in Ordnung war, dann sprechen sie es einfach an. Sagen Sie ihren Eltern oder Schwiegereltern, dass es für sie nicht gepasst hat, was sie da gesagt oder getan haben und dass sie das in Zukunft nicht mehr möchten und dann lassen sie es einfach stehen und wenden sich den Großeltern wieder freundlich zu.

Und was können Familien tun, in denen es keine Großeltern mehr gibt?

Es gibt zahlreiche Gründe dafür, dass einer Familie keine Großeltern zur Verfügung stehen, sei es, weil die Familie viele hundert oder sogar tausend Kilometer auseinanderwohnen, weil die Eltern bereits gestorben sind, es unüberwindbare Konflikte gibt, oder kein Interesse an den Enkelkindern zeigen.

In diesen Fällen kann es Sinn machen, sich zu öffnen für zufällige Kontakte mit älteren Menschen – vielleicht aus der Nachbarschaft oder durch die Organisation einer Leihoma/ eines Leihopas. Vielleicht finden auch in ihrer Gemeinde oder Ortschaft organisierte Begegnungen zwischen Jung und Alt statt, durch die sich die Möglichkeit ergibt, Kontakte zu knüpfen.

Nutzen sie jede Chancen, die sich ergibt, dass ihr Kind Kontakt zu älteren Menschen hat – denn beide Seiten profitieren davon.

Ich hoffe, Dir hat mein Artikel gefallen! Besonders ans Herz legen möchte ich Dir meine Artikel zu den Themen Schwierige Phasen in der kindlichen Entwicklung meistern und “Hilfe, wir haben einen Konflikt“.

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Deine Heike