Magª Heike Podek in der Fratz & Co zum Thema: „Schwungvoll Erziehen”

Sommer, Sonne, Frühling – allmählich erwachen in uns wieder die Lebensgeister und wir sind voller Tatendrang. So auch unsere Kinder, wie z.B. Maja (3) und Tom (4).

Beide sind mit ihren Eltern auf dem Spielplatz. Doch während Maja alle Spielgeräte mit großem Interesse ausprobiert und sich beim Klettergerüst auch nicht dadurch entmutigen lässt, dass sie schon zum zweiten Mal hinuntergefallen ist, geht Tom nur sehr zögerlich umher…

Man könnte meinen, Maja und Tom sind einfach zwei unterschiedliche Kinder mit unterschiedlichem Temperament, aber lassen sie uns doch einfach mal ein bisschen genauer hinschauen:

Maja ist das zweite Kind ihrer Eltern und hat noch einen älteren Bruder. Ihre Eltern sind beide berufstätig, unternehmungslustig und naturverbunden. Sie gelten als positive Menschen, die auch in scheinbar negativen Situationen immer das Positive erkennen können.

Tom dagegen ist das erste Kind seiner Eltern. Sein Vater ist berufstätig, seine Mutter ist zu Hause. Er wächst sehr behütet auf,  seine Eltern sind sehr vorsichtig und stets besorgt, dass ihm nichts passiert.

Aber überträgt sich nun die unterschiedliche Einstellung der Eltern so einfach auf die Kinder und macht das allein schon einen so großen Unterschied aus?

Längst wissen wir, dass Kinder insbesondere in den ersten sieben Lebensjahren fast ausschließlich durch Nachahmung lernen, d.h. der Vorbildfunktion kommt eine weit größere Bedeutung zu als irgendeiner sogenannten „Erziehungsmethode“.

All unser Wissen, unsere Einstellungen und Werte geben wir also maßgeblich dadurch weiter, dass wir sie unseren Kindern vorleben.

So beeinflusst ihre Weltsicht die ihres Kindes

Menschen unterscheiden sich vor allem in der Art und Weise, wie sie sich, die Welt und die Dinge, die sie umgeben wahrnehmen und worauf sie ihr Augenmerk richten.

Denken Sie doch einfach mal an das berühmte Glas Wasser: ist es für sie halbvoll oder halbleer?

Und egal, wie dieses Glas Wasser auf sie wirkt – sie haben natürlich Recht. Trotzdem gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen den einen und den anderen Menschen.

Die, die das Glas für halbleer halten, neigen in der Regel auch sonst dazu, eher auf die Schattenseiten und das Negative zu schauen. Sie können sich zum Beispiel nur selten an der Sonne erfreuen, weil sie schon den nächsten Regen erwarten.

Die Menschen, die ein halbvolles Glas sehen sind insgesamt auch in Bezug auf andere Dinge eher positiv eingestellt. Sie haben gelernt, sich gut zu fühlen und ihr Augenmerk auf die schönen Dinge zu richten und sich an ihnen zu erfreuen.

Und die Sichtweise, die wir auf die Welt haben, sei es hinsichtlich anderer Menschen, unserer Einstellungen oder Werte, wir geben diese Beurteilungen ungefiltert an unsere Kinder weiter.

Wenn ich also zum Beispiel der Überzeugung bin, dass Lernen immer mit viel Anstrengung und hohem Zeitaufwand verbunden ist werde ich diese Haltung auch an meine Tochter/ meinen Sohn weitergeben und auch sie werden Lernen eher als etwas Mühsames und Schwieriges erleben.

Bin ich auf der anderen Seite zum Beispiel der Ansicht dass Freundlichkeit und Toleranz etwas Wichtiges sind und gehe entsprechend auf andere Leute zu, werde ich diese Offenheit auch an mein Kind weitergeben und es wird sich leichter tun, mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen und andere Meinungen und Einstellungen gut akzeptieren können.

Das Ganze könnte jetzt vielleicht so klingen, dass man einfach ab jetzt alles positiv beurteilen und mit einer „rosaroten Brille“ durchs Leben gehen soll. Darum geht es natürlich nicht, denn wir sollten auf keinen Fall unseren Realitätssinn verlieren. Es gibt einfach Situationen, die gefährlich sind und diese kann man auch nicht abwenden. Wenn also mein Kleinkind sich Richtung Straße bewegt, sollte ich anstatt blauäugig zu hoffen, dass es schon gut gehen wird, natürlich eingreifen. In vielen Bereichen aber macht Optimismus aber Sinn und kann gelernt werden.

3 Tipps, wie Sie ihre Weltsicht positiv verändern und diese auch an ihre Kinder weitergeben können:

  1. Unsere Erwartungen beeinflussen unser Verhalten

Und das sowohl im Positiven wie auch im Negativen. Wenn sie also zum Beispiel als Elternteil davon ausgehen, dass der Kindergarteneinstieg für ihr Kind schwierig werden wird, weil es Trennungsangst zeigen und weinen wird oder sich mit den vielen anderen Kindern in der Gruppe schwertut, haben sie eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese Situation genauso eintritt. Gerade bei solchen negativen Einstellungen neigen wir schnell dazu, unsere Befürchtungen auch Wirklichkeit werden zu lassen. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich dann auf die Kinder, die sich von unserem Kind abwenden, auf die Erzieherin, die in einer bestimmten Situation nicht den Ton hat, den wir uns gewünscht hätten und auf den kurzen ängstlichen Ausdruck im Gesicht unseres Kindes. Und schon fühlen wir uns bestätigt, der Kindergarteneinstieg wird schwierig.

Um aus dieser negativen Spirale auszubrechen, bedarf es gerade zu Beginn ein bisschen Bewusstheit. Sobald sich negative Gedanken bei Ihnen einschleichen, drehen sie diese bewusst um. Im oben genannten Beispiel, sagen sie sich etwas vor, wie: „Der Kindergarteneinstieg wird positiv verlaufen.“ Gehen sie davon aus, dass die Kinder und die Erzieher in der Einrichtung nett sind und sich ihr Kind in seinem Tempo gut eingewöhnen wird. Mit einer solchen Einstellung sind sie viel offener, die positiven Situationen und Momente zu erkennen, nämlich, dass ihr Kind kurz gelacht hat, die Erzieherin sich ihm positiv zugewandt und ein anderes Kind bereits Kontakt aufgenommen hat.

Auf diese Weise machen sie nicht nur ihrem Kind die jeweilige Situation einfacher, sondern ermöglichen ihm auch für zukünftige Situationen mehr Unbeschwertheit.

  • Positive Formulierungen

Ich würde Sie gerne zu einem kleinen Gedankenexperiment einladen, dafür müssen sie nur folgendes tun: „Denken sie nicht an einen rosaroten Elefanten.“

Vielen ist dieser Versuch bekannt, aber was ist passiert? Einem hohen Prozentsatz von Menschen gelingt es nicht, der Anweisung zu folgen, sondern sie müssen unweigerlich an den rosa Elefanten denken. Unser Gehirn schafft es also nicht, das kleine Wörtchen „nicht“ nicht zu verarbeiten. Das betrifft auch andere Bereiche unseres Lebens: Ob wir nun also nicht streiten oder aber unbedingt streiten wollen, wir beschäftigen uns unweigerlich mit dem Thema Streiten.

Aus dieser Zwickmühle kommen wir nur raus, wenn wir an etwas anderes denken. Wir können uns also überlegen, was wir anstatt des Streitens wollen – uns also zum Beispiel damit beschäftigen, wie wir konstruktiv miteinander sprechen können.

Gerade auch im Umgang mit ihrem Kind macht das positive Formulieren von Dingen, die ich will einen entscheidenden Unterschied. Wie oft ermahnen Eltern ihr Kind, aufzupassen, dass das Glas nicht umfällt und kurze Zeit später, liegt es… oder wir rufen unserem Kind am Spielplatz zu es solle aufpassen, dass es nicht runterfällt und kurze Zeit später passiert genau das.

Versuchen sie deshalb bewusst darauf zu achten, ihrem Kind zu sagen, was sie wollen, anstatt, was sie nicht wollen, also zum Beispiel: „Bitte pass auf, ich will, dass das Glas am Tisch stehen bleibt.“ oder in der Spielplatzsituation „Pass auf und konzentriere dich beim Klettern gut.“ Uns seien sie neugierig, auf den gewaltigen Unterschied, den das macht.

  • Wofür ist das eine Gelegenheit?

Trotz allem Denken kommt jeder von uns immer wieder in Situationen, gegen die wir uns nicht wehren oder die wir nicht verändern können, so stehen zum Beispiel unzählige berufstätige Menschen jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit im Stau. Darüber kann man sich natürlich ärgern, allerdings ist dies dem Stau relativ egal. Das Einzige, was passiert, ist dass wir völlig genervt und gestresst bei der Arbeit ankommen. Oft zeigen sich weitere Auswirkungen: wir können uns aufgrund des Ärgers schlechter konzentrieren, schaffen nicht alles, was wir uns vorgenommen hatten und kommen aufgrund dessen unzufrieden heim. Der Stress mit den Kindern ist vorprogrammiert.

Alternativ macht es Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, wie wir auf andere Art und Weise mit einer solchen Situation umgehen können. Ein klassisches Beispiel dafür ist der österreichische Neurologe und Psychiater Viktor Frankl der während des zweiten Weltkrieges im Konzentrationslager war und seine Erfahrungen in einem Buch veröffentlichte. Die von ihm entwickelten Logotherapie beschäftigt sich genau damit –  den Blick auf den Sinn des Lebens und das Positive darin (wiederzu)finden und zu sehen.

Und genau daraus können wir alle, und vor allem Eltern etwas Wichtiges mitnehmen, um unsere Weltsicht zu verändern und in eine positive Richtung zu beeinflussen. In allen Situationen, die für uns negativ und teilweise auch aussichtslos erscheinen, wie auch der eben beschriebene Stau können wir uns folgende Frage stellen: „Wofür ist das eine Gelegenheit?“ Unser Blick und Denken wird damit aus der Hoffnungslosigkeit befreit und wir erlangen wieder Handlungsfähigkeit.

Insgesamt möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass es beim Verändern der Weltsicht in eine positive Richtung und der daraus resultierenden Vorbildfunktion für unsere Kinder keinesfalls darum geht, sich selbst zu belügen, die Realität aus den Augen zu verlieren oder seine Authentizität aufzugeben, sondern lediglich seine Wahrnehmung und Einstellung in eine positive Richtung zu verändern, aus der wir und nachfolgend unsere Kinder profitieren werden.

Ich hoffe, Dir hat mein Artikel gefallen! Besonders ans Herz legen möchte ich Dir meine Artikel zu den Themen Wut und Aggression, Konflikte und Schulprobleme.

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Deine Heike