„Strafe muss sein, …oder?“

Strafe muss sein, sonst lernt mein Kind das nie…

So haben gerade unsere Elterngenerationen noch gedacht und uns Kinder mit gutem Gewissen uns „starker Hand“ zu erziehen versucht.

Inzwischen wird der Begriff „Strafe“ nur mehr ungern benutzt und wurde ausgetauscht gegen den Begriff der „Konsequenz“. Mit Hilfe von Konsequenzen sollen Kindern lernen, sich in die Gemeinschaft einzufügen und Regeln und Grenzen zu akzeptieren.

In Wahrheit besteht aber zwischen beiden kein Unterschied!

Einer natürlichen Konsequenz zufolge würde ein Kind, dass auf einen Sessel steigt und hinunterfällt und sich wehtut, vielleicht daraus lernen, beim nächsten Mal vorsichtiger zu sein o.ä..

Wenn es zusätzlich von seinen Eltern noch beschimpft und angeschrien wird, vielleicht mir Worten wie: „Ich hab dir schon zig Mal gesagt, du sollst aufpassen, weil du da sonst runterfällst“ oder „Kannst du nicht hören? Ich hab dir gesagt, du sollst nicht auf den Sessel steigen.“ – dann ist das eine Strafe!

Der Unterschied liegt vor allem darin, dass natürliche Konsequenzen zwar durchaus unangenehm sein könne, aber das Kind nicht an sich selbst und an seinem Wert zweifeln lassen. Strafen hingegen tun das sehr wohl.

Das heißt auch, dass viele von Eltern ausgedachte sogenannte logische Konsequenzen, wie z.B., wenn du deine Zähne nicht putzt, kannst du auch nicht naschen, in Wirklichkeit keine Konsequenzen sind, sondern Strafen.

Kinder zu strafen oder mit Konsequenzen zu behaften, bedeutet, etwas für sie Unangenehmes herbeizuführen oder sie daran zu hindern, etwas Positives zu erleben mit dem Ziel, ihr Verhalten zu verändern.

Problematisch an Strafen aber sind vor allem folgende drei Punkte:

Vorbildfunktion

Als Eltern sind wir die ersten und stärksten Vorbilder für unsere Kinder. Durch das Einsetzen von Strafen und damit verbundener Macht, leben wir ihnen vor, dass Gewalt eine angemessene Form ist, mit Konflikten umzugehen und Probleme zu lösen.

Wirksamkeit

Wenn Kinder älter werden ist es immer schwieriger, etwas ausreichend Unangenehmes zu finden, was man ihnen als Konsequenz oder Strafe zufügen kann. Das ist neben wissenschaftlichen Studien auch die häufigste Erkenntnis von Eltern, die zu mir ins Coaching kommen. Darüber hinaus verringert sich die Wahrscheinlichkeit massiv, dass unsere Kinder darüber nachdenken, welche Auswirkungen ihr Verhalten auf andere Menschen hat, da sie eher mit ihrer Wut über die Strafe beschäftigt sind.

Beziehung

Letztlich können Kinder, die von ihren Eltern bestraft werden, diese kaum als liebvolle Führungspersonen erleben und annehmen. Gerade das ist aber für die gesunde Entwicklung unserer Kinder so notwendig, weil es ihnen Schutz und Sicherheit garantiert, sich auszuprobieren und sich frei entwickeln zu können. Durch den Einsatz von dieser Art von Macht hingegen, erleben Kinder ihre Eltern eher als Menschen, denen man aus dem Weg gehen sollte.

Der Grund dafür, dass viele Eltern glauben, strafen oder auf „logische Konsequenzen“ zurückgreifen zu müssen liegt oft in eigenen Ängsten begründet…
Da gibt es Sorgen, als Eltern zu versagen, sich machtlos zu fühlen, von der Gesellschaft und Freunden/ Familie bewertet zu werden, Angst davor, unsere Kinder nicht ausreichend auf das Leben vorzubereiten usw…

Wie du einen guten Mittelweg findest, zwischen der Idee „Entweder strafe ich meine Kinder oder lasse alles durchgehen“ und dabei eine gute Beziehung zu ihnen aufrechterhältst, erfährst du in folgenden Tipps:

Tipp1:

Grundsätzlich macht es Sinn, sich als Eltern nicht zu fragen: „Wie kann ich mein Kind dazu bringen … zu tun?, sondern:

„Was für ein Mensch soll aus meinem Kind werden? Was für langfristige Ziele habe ich und was sind für mich die wichtigsten sozialen und lebenspraktischen Fähigkeiten, die mein Kind dann gelernt haben sollte?

Bei fast allen Eltern gehen die Antworten in eine ähnliche Richtung: Sie wünschen sich für ihre Kinder, dass diese glückliche, erfolgreiche, selbstsichere, rücksichtsvolle, selbständige, erfüllte … Menschen werden.

Um sie dabei zu unterstützen, kannst du darauf achten, was dein Kind für Bedürfnisse hat und wie du diese erfüllen kannst. Ebenso ist es hilfreich, dich immer wieder zu fragen, ob das was du tust und ob die Methode, die du anwendest, dein Kind dabei unterstützt!

Tipp 2:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn Kinder nicht das tun, was ihre Eltern von ihnen verlangen, es oftmals daran liegt, dass Eltern zu viel erwarten oder beim Kind nicht ankommt, was sie sich konkret wünschen.

Bevor du dir also überlegst, wie du dein Kind dazu bringen kannst, zu tun, was du sagst, überdenke einfach mal deine Forderung:

Kann es sein, dass sie unangemessen für das Alter deines Kindes ist? (z.B. können kleine Kinder einfach beim Tisch nicht lange ruhig sitzen bleiben.)

Ist deine Forderung wirklich gerade notwendig? (Ist es nicht egal, ob das Kind bis zum Auto eine Jacke anhat oder ohne einsteigt und du sie mitnimmst?)

Tipp 3:

Ich möchte dich einladen, dir vorzustellen, eine der Auseinandersetzungen, die du mit deinem Kind führst, mit einem Freund zu führen…

Wie würdest du mit ihm umgehen? Was würdest du ihm sagen? Und wie würdest du hier den Konflikt lösen?

Dann versuche es auf die gleiche Weise mit deinem Kind.

Ich hoffe, Dir hat mein Artikel gefallen! Besonders ans Herz legen möchte ich Dir meine Artikel zu den Themen Wut und Aggression, Konflikte und Schulprobleme.

Wenn Du Unterstützung bei Erziehungsproblemen suchst, schau Dir mein Angebot an. Egal ob Trotzphase, Pubertät, Schulprobleme, … ich biete Live-Coaching, eMail-Coaching und eMail-Kurse als Hilfestellung an. Die eMail-Kurse zu den Themen „Trotzphase“ und „Hilfe- mein Kind will nicht hören“ sind besonders beliebt.

Du kannst mir natürlich auch direkt schreiben und ich freue mich auch über Feedback zu meinem Artikel!

Deine Heike

Heike Podek | Erziehungswissenschaftlerin, Coach und Gründerin von beziehungsorientiert.at

Ich glaube, dass Erziehung ohne den Einsatz von Angst und Macht funktionieren kann. Ich will ich einen beziehungsorientierten Umgang mit meiner Familie leben, in der sowohl die Bedürfnisse unserer Kinder, als auch unsere elterlichen Bedürfnisse Platz und Raum haben.

Heike Podek | Erziehungswissenschaflerin, Coach und Gründerin von beziehungsorientiert.at

Ich glaube, dass Erziehung ohne den Einsatz von Angst und Macht funktionieren kann. Ich will ich einen beziehungsorientierten Umgang mit meiner Familie leben, in der sowohl die Bedürfnisse unserer Kinder, als auch unsere elterlichen Bedürfnisse Platz und Raum haben.