Warum Loben und Belohnungen deinem Kind eher schaden als helfen…

Lob und Belohnung beruhen auf dem Konzept der positiven Verstärkung, welches bei Eltern, Lehrern und Pädagogen sehr beliebt ist. Dabei werden unterschiedliche Belohnungsformen, wie Bezahlung oder ein Privileg, Sternchen, Süßigkeiten, Pickerl oder eben sprachliches Lob verwendet um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass ein gezeigtes gewünschtes Verhalten wiederholt auftritt.

Kinder zu Loben oder ihnen Belohnungen zu geben, gehört für die meisten Eltern zum ganz normalen Erziehungsalltag dazu.

Beim Loben werden von den Nervenzellen im Belohnungszentrum des Gehirns das Glückshormon Dopamin, sowie körpereigene Opiate und Oxytocin ausgeschüttet – diese sorgen für Entspannung, Glücksgefühle und Lebensfreude…

…ABER: Sie machen auch süchtig!

Das was daraus folgt ist, dass Kinder den Spaß an den Dingen verlieren und Dinge nur noch tun, weil sie dafür mehr Lob, mehr Sternchen, mehr Süßigkeiten, mehr Aufmerksamkeit etc. bekommen. Wenn Kinder also zum Beispiel beim Aufräumen helfen, geht es ihnen dann nicht mehr um den Beitrag zum Haushalt, den sie geleistet haben und darum, sich gemeinsam an der sauberen Wohnung zu freuen, sondern lediglich um das Lob oder die Belohnung, die sie dafür erhalten…

Darüber hinaus schafft Lob und Belohnung ein Machtgefälle zwischen Eltern und Kindern, weil Eltern diejenigen sind, die entscheiden, was gut, richtig und lobenswert ist. Eine wirkliche Nähebeziehung kann so kaum entstehen.

Witzigerweise würden wir bei unseren Partnern oder Freunden nie auf die Idee kommen, mit dieser Methode zu arbeiten oder kannst du dir vorstellen, deinem Mann/deiner Frau etwas dafür zu geben, dass er/sie gekocht, aufgeräumt oder geputzt hat?

Bei Kindern aber wenden wir diese Methode oft ohne nachzudenken an und wundern uns dann, dass die Beziehung zu ihnen irgendwie merkwürdig ist…

Auch stelle ich immer wieder fest, wie viele Eltern ihre Kinder z.B. auf dem Spielplatz für jede Kleinigkeit und alles, teils sehr überschwänglich loben.

Stell dir mal vor, dein Partner oder Freunde von dir würden das bei dir machen und würden ständig so etwas sagen wie: „Wow, du hast aber heute die Wäsche besonders toll gemacht.“ „Ich bin begeistert und stolz auf dich, wie schön du das Auto gewaschen hast.“ usw…

Zumindest ich würde mich kaum wertgeschätzt und ernst genommen fühlen, sondern eher irritiert, verunsichert oder sogar verar….

Was aber sind Alternativen? Sollen wir jetzt emotionslos daneben stehen, wenn unsere Kinder neue Fähigkeiten präsentieren und uns Dinge zeigen wollen?

Tipp1: Zeige authentisch und ehrlich Freude

Natürlich kannst und sollst du deine Freude weiterhin deinem Kind zeigen. Lernt es z.B. gerade Fahrradfahren und ruft ganz begeistert „Schau, ich kann’s!“ sollst du nicht emotionslos daneben stehen, sondern zeig deinem Kind deine ehrliche Begeisterung: „Ja, ich sehe es. Du kannst es wirklich!“

Dein Kind braucht kein „Toll gemacht“, „Prima“ oder „Schön“, sondern Eltern, die authentisch zeigen, wer und was sie sind. Die gemeinsame Freude daran, dass dein Kind Rad fahren kann, ist viel mehr wert und schafft wirkliche Beziehung, im Gegensatz zu einer Bewertung seiner Fähigkeiten.

Tipp 2: Weg von Bewertung, hin zu Wahrnehmung und persönlicher Sprache

Stell dir folgende Situation vor:

Dein Kind ist auf dem Spielplatz auf dem Klettergerüst ganz oben angekommen und ruft dir zu: „Schau mal Mama!“ Anstatt wie bisher etwas zu sagen, wie: „ Super, das hast du toll gemacht – wie gut du schon klettern kannst.“ sag etwas wie: „Ich sehe dich. Du bist ganz oben angekommen. Du hast es geschafft.“

Der Unterschied zwischen beiden Sätzen scheint auf den ersten Blick nicht immens groß, macht aber für dein Kind einen bedeutenden Unterschied. Anstatt zu bewerten und die Fähigkeit deines Kindes zu loben, nimmst du es beim unten stehenden Satz wirklich war. Du beschreibst, was du siehst und dein Kind kann aus deiner Äußerung das nehmen, was es gerade braucht. Es kann stolz auf sich selbst sein und/oder sich freuen und zwar an seiner Tätigkeit. Beim nächsten Mal Klettern wird es wieder klettern, weil ihm diese Tätigkeit Spaß macht und nicht, weil er/sie von Mama/Papa gelobt wurde.

Und oft reicht in diesen Fällen auch ein simples „Ich sehe dich“ vollkommen aus.

Tipp 3: Weg von automatischer Sprache, hinzu persönlicher Sprache

Schau dir dein Lobverhalten von einem Tag am Abend mal genauer und kritisch an:

Wie oft hast du dein Kind heute gelobt?

Was war die Motivation hinter deinem Lob?

Und was hättest du stattdessen Persönliches sagen können?

Ich hoffe, Dir hat mein Artikel gefallen! Besonders ans Herz legen möchte ich Dir meine Artikel zu den Themen Wut und Aggression, Konflikte und Schulprobleme.

Wenn Du Unterstützung bei Erziehungsproblemen suchst, schau Dir mein Angebot an. Egal ob Trotzphase, Pubertät, Schulprobleme, … ich biete Live-Coaching, eMail-Coaching und eMail-Kurse als Hilfestellung an. Die eMail-Kurse zu den Themen „Trotzphase“ und „Hilfe- mein Kind will nicht hören“ sind besonders beliebt.

Du kannst mir natürlich auch direkt schreiben und ich freue mich auch über Feedback zu meinem Artikel!

Deine Heike

1 Comment

  • Jennifer Otto 25. März 2019 at 21:38

    Liebe Heike,
    ich habe zufällig dein Instagram Account gefunden und deine Haltung gefällt mir sehr. Ich liebe die Bücher von Jesper Juul und fühle mich mit meiner / unserer bindungsorientierten Erziehung und unseren drei Kindern pudelwohl. Drei Kinder in 1,5 Jahren (Zwillingspaar dabei) und wir belohnen und loben nicht, sondern schenken uns Aufmerksamkeit. Wir SEHEN einander. Ich muss schmunzeln, wenn in Mütterkreisen von Belohnungssystemen erzählt wird und ich gefragt werde und erwidere, dass unsere nicht auf Belohnungen reagieren … Liebe Heike, ich freue mich sehr, dass wir immer mehr werden und dass sich eine zugewandte innere Haltung, eine Gleichwürdigkeit unseren Kindern gegenüber weiter verbreitet. 👍🤗😃☕️🌷

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