Magª Heike Podek in der Fratz & Co zum Thema: „Schwierige Phasen im Laufe der kindlichen Entwicklung meistern”

„Unser Sohn Tim bringt uns zur Zeit zur Verzweiflung! Kurz zusammengefasst, bedeutet das, dass er seit ca. zwei Monaten nicht mehr wirklich hört. Es macht den Eindruck, als nehme er uns überhaupt nicht ernst. Anstatt die Dinge zu machen, die wir ihm auftragen oder um die wir ihn bitten, ignoriert er uns oder lacht einfach. Teilweise wird er sogar richtig wütend und schimpft. So extrem war es nie…“

„Unsere Mia hat sich in den letzten Wochen total verändert. Sie ist zu einer richtig frechen, verwöhnten Göre geworden. Ich schäme mich teilweise für ihr Verhalten.“

Viele Eltern kennen solche oder ähnliche Situationen mit ihren Kindern nur allzu gut. Plötzlich scheint das Kind wie ausgewechselt und nichts funktioniert mehr. Konflikte und Streitigkeiten stehen an der Tagesordnung und bringen uns dazu nachzudenken und zu zweifeln:

Habe ich etwas falsch gemacht? Habe ich mein Kind vielleicht nach der falschen Methode erzogen? Hätte ich strenger/ konsequenter sein sollen?

Sie machen sich Vorwürfe und fürchten versagt zu haben.

Soll ich mir Unterstützung suchen oder ist es doch „nur“ wieder eine dieser Phasen?

Schwierige Phasen der Entwicklung

Im Laufe des Lebens durchlaufen Kinder unterschiedliche Entwicklungsphasen, die von ihren Eltern zeitenweise als sehr „schwierig“ oder mühsam empfunden werden.

Das Babyalter:

Wenn Säuglinge auf die Welt kommen, müssen sie sich zunächst einmal zurecht finden. Sie haben noch keinen Rhythmus in Bezug auf Essen und Schlafen, sondern sind lediglich damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass ihre Grundbedürfnisse erfüllt werden. Auch müssen sich in dieser Zeit erst das sogenannte Urvertrauen und die Bindung zu Mutter, die bereits im Mutterleib begonnen haben, festigen.

Das Kleinkind:

Ab ca. 18 Monaten beginnen Kinder zunehmend die Welt auf eigenen Beinen zu erforschen und sich mit diesem Explorationsverhalten aus dem Nahebereich ihrer Eltern zu lösen.

Das Kleinkind – die Trotzphase:

Zwischen 2,5 und 5 Jahren erleben viele Kinder den Höhepunkt der sogenannten Autonomiephase, die besser bekannt ist als „Trotzphase“. Die Trotzphase ist eine natürliche Entwicklung in der Autonomieentwicklung in der sich die Kinder aus der Abhängigkeit ihrer Eltern befreien und sich zu einem unabhängigen Individuum entwickeln. Kinder versuchen in dieser Zeit mit allen Mitteln ihren Kopf durchzusetzen und äußern zudem ihren Frust über Dinge, die sie noch  nicht können oder dürfen mit heftigen Wutanfällen. Da sie ihre Gefühle noch nicht mit Worten ausdrücken können, benutzen sie ihre Fäuste und Füße dazu.

Schulalter:

Ab ca. 6 Jahren beginnt das Schulalter, in dem die Kinder (gerade im aktuellen Schulsystem) mit massiven Leistungsansprüchen konfrontiert werden. Außerdem gewinnen Freunde und verschiedene Gruppen mehr und mehr an Interesse.

Pubertät:

Schließlich folgt mit ca. 13 Jahren dann die Pubertät – ein Ausnahmezustand, der unsere Kinder in eine große Identitätskrise stürzt – Wer bin ich eigentlich und wo gehöre ich hin sind zentrale Fragen, die unsere Kinder in dieser Zeit beschäftigen.

Allen Phasen gemeinsam ist, dass unsere Kinder sich anders verhalten als sonst, oftmals sind sie anhänglich, weinerlich oder launisch. Sind unsere Kinder noch sehr klein, fällt es und leicht, Verständnis für diese „schwierigen Phasen“ zu haben, weil wir wissen, dass sie nichts dafür können und es ihnen ja auch nicht gut geht.

Ab der sogenannten „Trotzphase“ ändert sich das allerdings insofern, als dass Eltern durch die teils massiven Zornanfälle ihres Kindes verunsichert sind. Sie beginnen sich zu fragen, ob der bisher gewählte Weg der „richtige“ ist. In dieser Phase kommen oft auch Sorgen oder Ängste dazu, das Kind nicht mehr im Griff zu haben oder zu bekommen, nicht konsequent genug zu sein und keine ausreichenden Grenzen gesetzt zu haben.

Was du tun kannst, damit dich diese Phasen weniger aus dem Gleichgewicht bringen und wie du dein Kind angemessen begleiten kannst, dass erfährst du hier:

Tipp 1: Kinder wollen gesehen werden

Für Kinder, wie auch für jeden Erwachsenen ist es ganz wichtig, das Gefühl zu haben wertvoll zu sein. Wir wollen spüren, dass wir das Leben der Menschen, mit denen wir zusammenleben, bereichern. Gerade aber in diesen Phasen, in denen Kinder „schwierig“ erscheinen kommt ihnen dieses Gefühl oft abhanden.

Nehmen wir z.B. ein Baby, was weder krabbeln noch laufen kann. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo es erkennt, dass es ein Objekt, welches sich in seinem Umfeld befindet (z.B. ein buntes Spielzeug) erreichen möchte. Da es körperlich aber noch nicht dazu in der Lage ist, erlebt es Frust und wird anfangen zu schreien. Sobald es auch motorisch den Schritt gemacht hat und sich selbständig fortbewegen kann, ist diese „anstrengende“ Phase wieder vorüber.

Auch bei älteren Kindern vollzieht sich die Entwicklung in ähnlichen Schritten. In der Regel kommt zuerst ein kognitiver Schub, durch den die Kinder Zusammenhänge begreifen, diesem folgt anschließend die benötigte motorische Fähigkeit. Und genau in dem Raum dazwischen erleben wie bei unseren Kinder oftmals eine „schwierige“ Phase.

Wir Eltern neigen in vielen Situationen dazu, zu beschwichtigen und unsere Kinder beruhigen zu wollen, indem wir etwas sagen wie: „Ist doch nicht so schlimm“ o.ä.. Damit geben wir ihnen unabsichtlich das Gefühl, dass sie nicht wertvoll sind oder wir uns nicht interessieren für das, was in ihnen vorgeht.

Begleite dein Kind in diesen Zeiten, indem du dir Zeit nimmst und wirklich hinschaust und es verbal unterstützt. Sag ihm, was du siehst und sprich über die Gefühle, die dein Kind dabei empfindet. Das kann etwas sein, wie: „Ich sehe, dass du die Wasserflasche noch nicht alleine aufkriegst, obwohl du das so gerne können willst – und das ärgert dich. Ich verstehe das, mich würde das auch ärgern.“ (oder mich ärgert es auch, wenn ich Dinge nicht hinkriege, die ich wirklich gerne möchte.)

Oder wenn ein Kind von der Schule frustriert nach Hause kommt, weil es sich über seinen Lehrer geärgert hat, setzt dich zu ihm und sag einfach etwas wie: „Puhhh, du ärgerst dich aber wirklich über deinen Lehrer. Erzähl mal, was war denn eigentlich los…“

Denn genau das ist es, was auch wir Erwachsenen uns von Freunden/ dem Partner wünschen, wenn es uns nicht gut geht.

Tipp 2: Klarheit über eigene Grenzen

Ab ca. 18 Monaten beginnen die Kinder die Welt auf ihren eigenen Beinen zu erkunden und sich allmählich aus dem Nahbereich ihrer Eltern zu entfernen. Dieses Explorationsverhalten können wir nutzen und ab diesem Zeitpunkt (wieder) beginnen, uns über unsere eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Vorstellungen und Grenzen klarzuwerden.

Denn, wenn wir Eltern wissen, was wir wollen und was o.k. ist und was nicht, können wir unser Kind auch in schwierigen Phasen authentisch und klar gegenübertreten.

Da geht es z.B. in Bezug auf das Thema Wut und Aggression, was ab der „Trotzphase“ viele Eltern beschäftigt darum, sich zu überlegen, wo die eigene Grenze genau liegt: Ist es in Ordnung, wenn mein Kind schreit und tobt, aber bestimmte Kraftausdrücke will ich nicht hören. Oder: Es ist in Ordnung, wenn mein Kind sich auf den Boden schmeißt und mit den Fäusten trommelt, aber Gegenstände durch die Gegend schmeißen will ich nicht.

Je konkreter du dir deiner eigenen Grenzen bewusst bist, um so klarer kannst du diese deinem Kind gegenüber auch kommunizieren – das gibt dir und vor allem deinem Kind die notwendige Sicherheit und Orientierung in „schwierigen“ Phasen.

Tipp 3: Klare Kommunikation

Eine Möglichkeit mit deinen Grenzen sichtbar zu werden ist zu einer persönlichen Sprache zu wechseln. Diese ist gerade in „schwierigen“ Phasen, die ja nicht selten mit Konflikten und Streitereien einhergehen unumgänglich.

Viele Mütter übernehmen die Sprache ihrer kleinen Kinder und sprechen von sich in der 3. Person, d.h. sagen Sätze, wie: „Die Mama hätte gerne…“. Hör damit auf und sprich nur mehr von dir als ICH!

Darüber hinaus neigen wir dazu unseren Kindern im Sinne eines liebevollen Umgangs viele Fragen zu stellen und tun dies gerade in schwierigen Phasen, um unnötig weitere Schwierigkeiten zu vermeiden. Problematisch wird es dann, wenn unser Kind auf die Frage: „Möchtest du dir jetzt die Schuhe anziehen?“ (in einer Situation in der wir los müssen, weil wir einen Termin haben) mit „Nein“ antwortet.

In Situationen also, wo klar ist, dass das Kind nicht entschieden kann/sollte, benutze klare Aussagen: „Wir ziehen jetzt die Schuhe an. Wir müssen los.“

Letztlich verwenden viele Eltern in der Kommunikation mit ihrem Kind sogenannte „soziale“ Sprache, die Höflichkeitsformen, wie „bitte“ u.ä. einschließen. Diese Sprache ist im Umgang mit anderen Menschen natürlich grundsätzlich sehr empfehlenswert, aber in der Kommunikation zwischen Eltern und Kind teilweise hinderlich. Hier ist es ratsam, wenn du dir von deinem Kind abschaust, wie es geht, ein Bedürfnis klar zu kommunizieren, nämlich mit den Wörtern: „Ich will/ will nicht“.

Diese Worte überzeugen nicht nur mit Klarheit und Kraft, sondern vermeiden auch jegliche Verletzung unseres Gegenübers. In Bezug auf die Anziehsituation oben, sagst du also am besten: „Ich will, dass du deine Schuhe jetzt anziehst. Wir müssen los und ich will pünktlich sein.“

Solltest du dennoch in einer dieser Phasen das Gefühl haben, anzustehen und nicht weiter zu wissen, bedeutet das noch lange nicht, dass du als Mutter oder Vater versagt hast. Es ist vollkommen in Ordnung und auch ratsam, sich in solchen Situationen Unterstützung zu suchen, weil, wenn gerade wenn es „feststeckt“ ein Blick von außen hier oft sehr hilfreich sein und gute Lösungsvorschläge bieten kann.

Ich hoffe, Dir hat mein Artikel gefallen! Besonders ans Herz legen möchte ich Dir meine Artikel zu den Themen Wut und Aggression, Konflikte und Schulprobleme.

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Deine Heike